Jetzt wird’s nass – duschen im Urlaub

Als Rollstuhlfahrer muss man im Urlaub immer Kompromisse eingehen. So auch beim duschen: normalerweise hat man zu hause seinen Duschrollstuhl, eine ebenerdige Dusche und ausreichend Halterungen an der Wand. Im Urlaub kann man froh sein, wenn man eine ebenerdige Dusche im Hotelzimmer antrifft…

Wie habe ich das bisher gemacht? Nun, als Rollifahrer muss man eben irgendwo sitzen. Wenn es keine ebenerdige Dusche gab, habe ich im Hotel meistens nach einem Gartenstuhl verlangt – oder nach irgendeinem Kunststoffstuhl, der eben auch nass werden kann. Dann habe ich ihn in die Dusche gestellt und mich von meiner Begleitperson reinsetzten lassen.

Wenn eine ebenerdige Dusche vorhanden war, habe ich immer am Abend vor dem schlafen gehen geduscht. Warum?
Ich habe einfach meinen normalen Rollstuhl zum duschen verwendet und alle aufsaugende Polster entfernt: das Rückenkissen habe ich rausgenommen und als Ersatz ein Handtuch zur Polsterung verwendet. Das kann ja komplett nass werden. Vom Sitzkissen habe ich den Bezug entfernt. Der Rest vom Rollstuhl kann ja nass werden – und im Übrigen: so kann man auch mal wieder seinen Rolli waschen…
Über die Nacht können dann verschiedene Stoff-Kleinteile und das Sitzkissen wieder trocknen und ich kann meinen frisch gewaschenen Rollstuhl am nächsten Morgen wieder wie gewohnt nutzen.

In den seltensten Fällen besitzen Hotels einen eigenen Duschrollstuhl. Meistens gibt es in der Dusche einen ganz schmalen, harten Kunststoffsitz, den ich nicht verwenden möchte. Da ist mir das Risiko zu groß, runter zu rutschen oder mir eine Druckstelle zu holen.
Wenn doch ein Duschrollstuhl vorhanden ist, dann nur einer mit kleinen Rollen am Boden. In diesem Fall ist man wieder nicht unabhängig und bei der Fortbewegung erneut auf fremde Hilfe angewiesen.

Eine Bekannte von mir, die auch im Rollstuhl sitzt, hat mir jetzt gesagt, dass es auch faltbare, mobile Duschrollstühle gibt, die man in einem speziellen Koffer einfach mitnehmen kann.

Hier der Link zu den mobilen Artosy Duschstühlen.

Ich hab mir die Seite angesehen und mir gedacht: den Duschstuhl ‚Ergo‘ kennst du doch. Das ist, der, den ich beim schwimmen im Bewegungsbad immer verwende… (Anmerkung: ich gehe regelmäßig einmal pro Woche in der Klinik Markgröningen schwimmen) Nun, dann kann ich hier gleich mal eine Rezension darüber schreiben:

Im Vergleich zu einem herkömmlichen Duschrollstuhl merkt man schon, dass er etwas ‚unstabiler‘ ist. Die Sitzfläche ist nicht ganz fest und schiebt sich immer 1-2cm hin und her. Und die Seitenteile klappen manchmal nach außen weg, wenn man seinen Ellenbogen dagegen drückt – also nicht 100%ig darauf vertrauen, dass die Seitenteile Halt geben. Aber alles in Allem ein nutzbares Teil.
Der große Vorteil: Die Sitzfläche ist optimal gepolstert und das Rückenteil ist lediglich ein Nylon-Stoff, der gespannt wird. Beides verhindert sehr effektiv Druckstellen – und das ist für mich ein Hauptkriterium bei einem Duschstuhl.
Zugegeben: nach 20min Sitzen schlafen mir auf diesem Duschstuhl immer die Beine ein – aber wenn man die Beine sowieso nicht mehr bewegen kann und man eh nicht mehr alles spürt – dann ist mir das auch egal 🙂

Für meine USA-Reise macht so ein Duschstuhl jetzt keinen Sinn – denn mit einem Gewicht von 17kg ist er nicht gerade leicht.
Drei große Koffer, ein Rollstuhl, zwei Personen und Kamera-Equipment genügen erst einmal, um einen Fullsize-PKW auszufüllen. Durch den ständigen Ortswechsel ist mir der Aufwand auch zu groß.

Aber für zukünftige Reisen finde ich es eine sinnvolle Investition – vor allem, wenn man über einen längeren Zeitraum im selben Hotel untergebracht ist.

Ich werde in den USA meine herkömmliche Methode anwenden – und auch so irgendwie klar kommen.

 

 

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